Kulturerbe · Geschichte · Diplomatie

UNESCO-Entscheidung zu Sebastia: Israel warnt vor politischer Instrumentalisierung

Die Aufnahme der antiken Stätte Sebastia/Samaria in die Liste des gefährdeten Welterbes sorgt für eine diplomatische Kontroverse. Israel kritisiert, dass die Entscheidung auf Antrag der Palästinensischen Autonomiebehörde im Eilverfahren getroffen wurde und die zentrale jüdische Geschichte des Ortes in den Hintergrund drängt.

Sebastia liegt auf den Fundamenten der antiken Stadt Samaria. König Omri ließ sie im 9. Jahrhundert vor Christus als Hauptstadt des biblischen Nordreichs Israel errichten. Die archäologischen Spuren vor Ort dokumentieren daher nicht nur eine regionale Siedlungsgeschichte, sondern einen wichtigen Abschnitt jüdischer Staatlichkeit und Identität.

Schutz darf Geschichte nicht verkürzen

Das UNESCO-Welterbekomitee will mit der Einstufung gefährdete Kulturstätten schützen. Aus israelischer Sicht ist jedoch problematisch, dass die Entscheidung eine politisch einseitige Darstellung übernimmt. Die israelische Delegation wirft der Palästinensischen Autonomiebehörde vor, die UNESCO für eine Erzählung zu nutzen, in der die jüdischen Wurzeln Sebastias weitgehend ausgeblendet werden.

Sebastia kann nur glaubwürdig als gemeinsames Kulturerbe geschützt werden, wenn seine gesamte Geschichte benannt wird – einschließlich seiner herausragenden Bedeutung als Hauptstadt des antiken Israel.

Die israelische Chefdelegierte bei der UNESCO, Nina Ben Ami, bezeichnete Sebastia als eine der bedeutendsten antiken jüdischen Erbestätten im Land Israel. Ihre Kritik richtet sich nicht gegen den Schutz der Ruinen, sondern gegen eine Klassifizierung, die diesen historischen Kern verschweigt oder politisch umdeutet.

Gefährdung durch Raubgrabungen und mangelnden Schutz

Auch die tatsächlichen Ursachen der Gefährdung sind umstritten. Während die palästinensische Seite Israel verantwortlich macht, verweist Israel auf Raubgrabungen, Sachbeschädigungen und unzureichende Schutzmaßnahmen in Gebieten unter Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde. Israel betont zugleich seine eigenen Bemühungen um Konservierung, Dokumentation und wissenschaftliche Erforschung der Stätte.

Eine faire Bewertung muss beide Seiten der aktuellen politischen Auseinandersetzung berücksichtigen. Sie darf aber nicht übergehen, dass Samaria lange vor den späteren römischen, byzantinischen, islamischen und osmanischen Epochen ein Zentrum des israelitischen Nordreichs war. Diese historische Ebene ist keine politische Behauptung der Gegenwart, sondern archäologisch und schriftlich belegt.

Welterbeschutz braucht historische Redlichkeit

Die Kontroverse zeigt ein grundsätzliches Problem internationaler Kulturpolitik: Wo der Schutz archäologischer Stätten mit nationalen Ansprüchen verbunden wird, droht Geschichte zum Instrument aktueller Diplomatie zu werden. Gerade deshalb muss die UNESCO alle historischen Schichten eines Ortes transparent benennen und darf keine davon aus politischen Gründen marginalisieren.

Der Schutz Sebastias ist notwendig. Er wird jedoch nur dann glaubwürdig sein, wenn er nicht auf Kosten der jüdischen Geschichte Samarias erfolgt. Die UNESCO sollte deshalb sicherstellen, dass Erhaltung, Forschung und öffentliche Darstellung der Stätte ihrer ganzen Vergangenheit gerecht werden.

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